Der Gott des Gemetzels

von Yasmina Reza

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Fotos: ONUK

„Der Gott des Gemetzels“ erschien zwar vor „Frau Müller muss weg“, inhaltlich könnte das Stück aber ebenso gut die Fortsetzung sein. Hier zerfleischen sich genüsslich zwei Ehepaare. Mit diabolischem Humor und erbarmungsloser Treffsicherheit spießt Yasmina Reza die moderne bürgerliche Gesellschaft auf, die hin- und hergerissen ist zwischen aufgeklärtem, vernünftigem Gutmenschentum und allzumenschlichem, egoistischem Konkurrenzkampf. Zwei 11jährige Jungen prügeln sich, der eine schlägt mit dem Stock zu, der andere verliert zwei Schneidezähne. Kein Problem: Unter zivilisierten Leuten, wie es die Eltern sind, spricht man die Sache gemeinsam durch. Doch so verbindlich und watteweich wir uns auch geben mögen, am Ende behält einer die Oberhand: Der Gott des Gemetzels“.

Von Sticheleien zu Wortgefechten, von Verbalhändeln zu Handgreiflichkeiten, der Nachmittag degeneriert zur Saalschlacht: pointierte Dialoge, ein Leckerbissen für vier Schauspieler – und fürs Publikum.

Unter der Regie von Eric van der Zwaag spielen Markus Kern, Daniela Michel, Denise Schindler und Christian Theil 


„Bis zur Pause agiert das Darsteller-Quartett wie in einem Ionesco-Stück, das Loriot inszeniert hat (oder umgekehrt): Christian Theil spielt den arroganten Dauertelefonierer Alain mit bekifftem Gekicher, Denise Schindler gibt als herumstaksendes Blondchen Annette den größtmöglichen Kontrast zu Magdalena Pohlus’ seelisch verpanzerter Muttermaschine Véronique, und Jan Philipp Keller stellt Michel als unerschütterlich grinsenden Fels in die sich aufschaukelnde Brandung. Was bei Reza als identifikationsstiftendes Dialog-Ping-Pong angelegt ist, wird hier durch unerwartete Pausen und unbeholfene Gesten entlarvt als Abfolge auswendig gelernter Umgangsregeln. Als freie Individuen werden die vier Figuren erst nach der Pause kenntlich, wenn sie nach und nach alle Beißhemmungen fallen lassen und sich gegenseitig ihre zynische Ignoranz bzw. ihr offensives Gutmenschentum um die Ohren hauen – eine so konsequente wie skeptische Deutung, die freilich den Unterhaltungswert dieser pointierten Saalschlacht nicht schmälert.“ (BNN)

Infos

Kategorie: Eigenproduktion
Ort: Studio
Eintrittspreis:
VVK im Sandkorn-Büro:
€ 17,50 (Erwachsene)
€ 13,50 (Ermäßigte)
AK:
€ 19,70  (Erwachsene)
€ 15,30 (Ermäßigte)
inkl. System-und AK-Gebühr

Termine

Freitag, 19.05.17, 20:30 Uhr
Freitag, 23.06.17, 20:30 Uhr

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