BNN, 21.07.06
Wo die,Wellen rauschen und wo es Schokolade gibt
"D!e Sp!nner!" im "Heimatland": Integratives Projekt des Sandkorn-Theaters und der Lebenshilfe Karlsruhe
"Heimat hat viele Gesichter, für jeden ein anderes", sagen "D!e Sp!nner!". "D!e Sp!nner! " sind Mitglieder eines integrativen Theaterprojektes: Neun Menschen mit Behinderung, drei Schauspieler des, Sandkorn-Theaters und zwei Mitarbeiter der Lebenshilfe bilden seit 2003 eine Theatergruppe. Ihr Ziel bei Gründung war es, mit Spielszenen Einblick in das Leben von Menschen mit Behinderung zu gewähren. Auch ihr neues Programm "Heimatland", das nun im voll besetzten Sandkorn Premiere feierte, greife Erfahrungen der Darsteller auf, erzählt Regisseurin Steffi Lackner.
"Meine Heimat ist da, wo ich geboren bin, in Karlsruhe", sagt der eine. "Meine Heimat ist da, wo es Schokolade gibt", sagt die andere. Der nächste sagt: "Meine Heimat ist da, wo die Wellen rauschen, wo Hügel sind und Felder." Dazu stehen alle "Spinner" in einer Reihe. Sie machen eine Welle und intonieren das Rauschen. Sie bilden mit unterschiedlich hoch erhobenen Armen die Hügel. Einer alleine hätte nicht mal ein einzelner Hügel sein können, zusammen sind sie eine ganze Hügelkette. Das ist ebenso simpel wie schön in Szene gesetzt und auch noch von großer Aussagekraft.
"D!e Sp!nner! " tragen nämlich schwarze T-Shirts, die sich nur von hinten gesehen unterscheiden: Auf jedem Rücken steht ein anderer Buchstabe oder ein anderes Satzzeichen; zusammengesetzt ergeben sie den Gruppennamen mit vielen Ausrufungszeichen! Von vorne gesehen ist diese Gruppe in Schwarz eine Gemeinschaft, eine Mauer gegen Vorurteile.
"Vorurteile sind eine Schweinerei, weil sie verletzen", heißt es. Wie man sie los wird? "Springt über euren Schatten! " Das tun dann alle, die Schauspieler mit und die ohne Behinderung, sie nehmen das Bildliche wörtlich und zeigen, dass es nur ein bisschen guten Willen braucht, um Vorurteile zu überwinden.
Dieses Theaterprojekt ist beispielhaft. Hier im Theater gelingt die Integration, sie geschieht auf der Bühne und im Publikum. "Wir hätten viel erreicht, wenn die Zuschauer nach den ersten Minuten nicht mehr darüber nachdächten, wer hier behindert ist und wer nicht, " sagte Clemens Lennermann von der Lebenshilfe, der selbst einer der Darsteller war. Das ist geglückt: Die Sandkorn-Schauspieler und die L,ebenshilfe-Mitarbeiter spielen so zurückhaltend, dass man nur "D!e Sp!nner! "'sieht. Und die haben sichtlich Spaß daran Schauspieler zu sein.
"Es ist schwer mit Schauspielern zu arbeiten. Es ist noch schwieriger mit diesen wunderbaren Menschen zu arbeiten", sagt Siegfried Kreiner, Leiter des Sandkorn, und honoriert damit die Leistung aller Beteiligten. Man wolle diesen Weg weitergehen. Wie gut, dass er schon eingeschlagen ist. Charlotte Inden
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